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Kunstobjekt: männlicher Tjawara-Tanzaufsatz
Herkunft: Bamana / Bambara / Marka, Mali
Erstehungszeitraum: ca. 1900 oder älter
Abmessungen: Höhe: 61 cm Gewicht: 2200 g mit SockelMaterial: Holz, Kupferblech, Glocken aus Bronze
Holz, dunkelbraune teilweise krustierte Patina, auf rechteckige Basis (mit Bohrlöchern zur Befestigung) gearbeitet, ein stilisierter Körper mit sanft ausgeschwungenem Hals, dessen eleganter Schwung durch die in zweifachem Bogen angelegte Mähne wiederholt wird, ein länger schlanker Kopf der von leicht gebogenen geriefelten Hörnern bekrönt wird, verziert mit Kerbschnitt, auf Holzsockel montiert Sehr alter, männlicher Antilopen-Tanzaufsatz der Bambara (Marka), der durch seine Stilistik beeindruckt. Form, Patina, Gebrauchsspuren und schnitzerische Ausführung lassen auf ein hohes Alter schließen. Bemerkenswert ist die Ausstattung der Tiermaske mit typisch menschlichem Schmuck (Nasenring und Ohrschmuck). Diese Maske ist mit der „tyi wara“-Körperschaft verbunden. Im Unterschied zu anderen Masken ist dieser Typ auch den Frauen zugänglich, die aber in den geheimen Initiationsriten nicht teilnehmen dürfen. Zu den vornehmsten Aufgaben der „tyi wara“ gehört die rituelle Förderung der Fruchtbarkeit der Felder. In diesem Zusammenhang kommt der Pferdeantilope eine besondere Bedeutung zu, denn nach den Urzeitmythos der Bambara hat der Wassergeist Faro in Gestalt dieses Tieres den Menschen die ersten Hirsekörner geschenkt und die Feldarbeit beigebracht. Außer als Kulturbringer gilt die Pferdeantilope auch als solares Tier. Wenn die wichtigsten Feldarbeiten – Rodung, Saat, Ernte – alljährlich durch ein maskiertes Paar eingeleitet werden, trägt eine der maskierten Personen einen Kopfaufsatz, der – wie dieses Objekt – auf die Pferdeantilope hinweist und das männliche Prinzip bzw. die Sonne repräsentiert, währen die andere Person mit der andersartigen Tiermaske die Weiblichkeit und die Erde darstellen soll. Die Kopfaufsätze werden mit Hilfe geflochtener Kappen auf dem Kopf des Tänzers befestigt. Gesicht und Körper des Tänzers sind durch langes Fasergewand unkenntlich gemacht. Die Mitglieder der Tji Wara Gemeinschaft tragen den Kopfschmuck bei den Zeremonien zur Erntezeit und zu Beginn der Regenzeit. In der Mythologie der Bambara, wird die Antilope als Tier gesehen, das sich im fruchtbaren Ackerland der Bamana/Bambara-Völker in Mali niedergelassen hat; zuvor wurde diese Maskenart auch in religiösen Zeremonien verwendet - später grundsätzlich bei den Ernte-Festivals. Die leistungsfähigen aufrechten Hörner der Antilope symbolisieren Vitalität und Wachsamkeit. Das durchgebrochene Zickzackmuster auf dem gebogenen Hals symbolisiert den Lauf der Sonne am Himmel.
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